Eindrücke aus Taizé

Manch einer hat das Wort "Taizé" schon einmal gehört [sprich: "Tee-See"] oder es gelesen. Vielleicht kennt der ein oder andere auch dieses kleine "Emblem" links nebenan und hat sich schon immer gefragt, was es damit wohl auf sich haben könnte.

Dies ist die "Taizé-Taube", wie viele sie schlicht nennen. Dabei handelt es sich keineswegs um ein geheimes Erkennungszeichen und bei der  Gemeinschaft von Taizé auch auf gar keinen Fall um einen Geheimbund! Die Communauté ist eine  ökumenische Gemeinschaft von Brüdern gegründet von  Frère Roger. Und die Taube symbolisiert im Neuen Testament den Heiligen Geist. Außerdem kann man in der "Taizé-Taube" auch die Kreuzform erkennen, die Form des wichtigsten christlichen Symbols.

Eigentlich ist es müßig, über Taizé zu lesen. Denn am besten fährt man selbst dorthin. Bis es also soweit ist, findet Ihr hier ein paar Eindrücke von diesem Ort der Begegnung zusammengestellt. 

Update: Und wer nicht so gerne viel Text liest, kann sich oben rechts in dem Seitenübersichtskasten orientieren oder auch einfach zurücklehnen und die wunderschönen Taizé-Fotos von Maciej Biłas als Diashow genießen.

Lage

Das  kleine Dörfchen Taizé, wo sich die Communauté befindet, liegt in den südlichen Bergen von Burgund etwa in der Mitte zwischen Lyon und Dijon, im Departement 71 "Saône-et-Loire" mit dem Hauptort Mâcon. Die nächstliegende bekannte Stadt ist Cluny.

Geschichte

Wer sich für die Entstehungsgeschichte der Communauté von Taizé interessiert, kann sich z. B. auf folgenden Seiten schlau machen:

Die Communauté

Die Brüder von Taizé leben in Ehelosigkeit und Einfachheit, teilen materielle und spirituelle Güter miteinander. Heute besteht die Communauté aus etwa 100 Brüdern aus über 25 Nationen. Einige Brüder leben in kleinen Fraternitäten mitten unter den Armen. Ein Kommentar zur  Ordensregel befindet sich hier (man bedenke dabei jedoch, dass dieser Text 1955 entstanden ist; daher stimmen die von der Regeldarstellung abweichenden Erzählungen auf jener Webseite nicht mehr mit der aktuellen Wirklichkeit überein). 

Jugendtreffen

Seit Ende der 1950er-Jahre kommen zunehmend Jugendliche zu den wöchentlichen Treffen nach Taizé. Die Brüder von Taizé unternehmen jährlich auch Besuchsreisen und bereiten kleinere oder größere  Jugendtreffen in Afrika, Süd- und Nordamerika, Asien und in Europa vor. Sie sind Teil eines "Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde". Die Communauté von Taizé legt großen Wert darauf, keine "organisierte Bewegung" mit "vernetzten Gruppen" zu sein. Die Brüder glauben sich nie am Ziel auf der Suche nach Gott. Vielleicht macht gerade das Taizé so attraktiv für Besucher von allen Orten der Erde.

1970 hatte Frère Roger ein sog. "Konzil der Jugend" angekündigt, dessen Hauptversammlung vier Jahre später stattfand. Es ging Anfang der 80ziger Jahre des letzten Jahrhunderts dann in den "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde" über. Dieser Pilgerweg ist nicht einheitlich und fest organisiert, sondern jeder Einzelne ist aufgerufen, für sich selbst in seinem eigenen Alltag seinen persönlichen Weg und Beitrag zum Frieden, zur Versöhnung und zum Vertrauen zu finden. Jedes Jahr zum Jahresende findet ein fünftägiges  Europäisches Jugendtreffen statt, welches immer wieder in einer anderen europäischen Stadt ausgerichtet wird.

Fast das ganze Jahr über werden in der Communauté Jugendliche zwischen 17 und 29 Jahren willkommengeheißen. Auch für Familien und "Erwachsene" (im Taizé-Jargon Leute ab 30 Jahren) bietet die Communauté eine Anlaufstelle. So können dann pro Woche bis zu 7000 Gäste in der Zeltstadt sein. Man kann sich vorstellen, dass es einen enormen Organisations- und Arbeitsaufwand bedeutet, pro Woche so viele Gäste unterzubringen und zu versorgen.

Die Unterkunft und das Essen sind einfach. Jeder Jugendliche arbeitet während der Zeit seines Aufenthalts bei den anfallenden Aufgaben mit (Essenverteilung, Putzen, Abwaschen, Kirchenarbeit etc. - eine kleine Darstellung von Aufgaben findet sich weiter unten.) Daneben hat man die Möglichkeit einer Bibeleinführung mit anschließendem Austausch in Kleingruppen und abends mehrere Workshops zu verschiedensten Themen. Jeder ist willkommen - egal ob Christ oder nicht. Was in den Bibeleinführungen thematisiert wird, ist nicht hoch-theologisch und kompliziert, sondern direkt aus dem Leben gegriffen. Ermutigende Kernaussage in Taizé ist dabei immer "Gott ist Liebe". Donnerstagnachmittags gibt es Regionaltreffen bzw. Treffen nach Ländern mit den jeweils "zuständigen" Frères. Samstagnachmittags findet dann ein "Forum" statt, wo sich einige "Permanents"/"Volunteers" vorstellen (Jugendliche, die längere Aufenthalte in Taizé verbringen) und den Wochengästen ihr Heimatland mittels Liedern, Tänzen, Landkarten, Bildern und Berichten über die Situation der Christen dort, näherbringen. (Zu den Gebeten findet sich weiter unten mehr.) 

Örtlichkeiten

Reisevermittlung und das Büro für die Wertsachenverwaltung sind, wo die Frères Gäste in einem wunderschönen Garten oder drinnen zu Einzelgesprächen empfangen können. Die Wände des Hauses sind in warmen Gelbtönen getüncht.

"La Morada" grenzt an die Großküche. Dahinter ist ein Gebäude namens "Cadole", wo Arbeitsgeräte gelagert und Nutzfahrzeuge geparkt sind. "Cadole" ist ein französisches Wort und bezeichnet die  Rundbauweise von altertümlichen Natursteinhütten im Burgund.

Gegenüber ist "la Casa", wo man Informationsmaterialien bekommt, sich im Sommer anmeldet, Essensmarken kauft etc. Rundherum sind im Freien Sitzgelegenheiten unter Dach. Gegenüber sind die fünf Glocken in einem großen, offenen Holztor. Daran schließt sich eine überdachte Fläche mit Sitzgelegenheiten an, wo man im Sommer Essen kann. Dort gegenüber ist - ebenfalls überdacht - der Platz, wo zur Sommerzeit das Essen ausgegeben wird. Hier stehen auch riesige Waschbottiche zum Geschirrabspülen. Auf dem Hof befinden sich im Sommer große Zelte. Weiter nördlich befindet sich kurz vor der Kirche eine Blockhütte aus Holz mit Namen "Izba" (russ.: Hütte). Während der Bauarbeiten an der Kirche diente dieses Holzhaus als "Ersatzkrypta", wo die Frühmessen stattfanden.

Die gegenüberliegende Seite wird durch Baracken begrenzt, in denen Workshops stattfinden oder Videos über Taizé gezeigt werden usw. Im Winter spielt sich das Leben in den Baracken ab: Baracke 10 dient als Speisesaal und die restlichen Baracken für Bibeleinführungen oder Workshops. Dieser Barackenbereich 10-15 heißt auch Manaos.

Dort gegenüber ist - ebenfalls überdacht - der Platz, wo zur Sommerzeit das Essen ausgegeben wird. Hier stehen auch riesige Waschbottiche zum Geschirrabspülen. Auf dem Hof befinden sich im Sommer große Zelte. Die gegenüberliegende Seite wird durch Baracken begrenzt, in denen Workshops stattfinden oder Videos über Taizé gezeigt werden usw. Im Winter spielt sich das Leben in den Baracken ab: Baracke 10 dient als Speisesaal und die restlichen Baracken für Bibeleinführungen oder Workshops. Dieser Barackenbereich 10-15 heißt auch Manaos.

Gegenüber des Glockenturmes am ganz anderen Ende des Hofes ist die Versöhnungskirche. Dort gibt es auch eine Krypta und eine einfache orthodoxe Kapelle. Hinter der Kirche befindet sich ein kleiner Garten mit orthodox anmutenden Häuschen mit Ikonen. Daneben, zur Straße hin, ist "l'Éxposition", wo man alles Mögliche kaufen kann, was von den Brüdern hergestellt wird (Geschirr, Schmuck, Briefpapier, Poster, CDs, Postkarten...). Dadurch finanziert sich die Communauté. Spenden und Erbschaften werden dagegen nicht angenommen.

Dann kommen weiter die Straße rauf "El Abiodh", die Krankenstation, "Madras", wo Mädchen wohnen, die länger in Taizé bleiben, und zahlreiche Baracken (6er- bis 12er-Unterkünfte). Folgt man der Straße weiter nach Norden in Richtung des Nachbardorfes Ameugny, dann gelangt man zu den Unterkünften für die "Erwachsenen". Dort befindet sich auch der Zugang zu "Saint Étienne", einer sehr malerischen Teichanlage mit Quelle, die über einen hohen Felsen in einen der drei Teiche rieselt. Ein Teil des Gartens ist für die Stille vorbehalten. Noch weiter im Norden ist "Olinda", wo Familien mit Kindern untergebracht werden. Auf der anderen Straßenseite sind die Zelt- und Parkplätze. Am südlichen Ende kann man im "Oyak" kleinen Imbiss und Getränke kaufen bzw. sich im Sommer abends in großer Runde treffen.

Eine genauere und umfassendere Aufstellung der Lokalitäten mit Namensdeutung hat  Christoph Enzinger zusammengestellt. 

Beispiele für Wochenaufgaben

An jedem Sonntagnachmittag werden die Wochenaufgaben verteilt. Hier folgt eine kleine Darstellung einiger Arbeiten, die ich selber schon mal mitmachen durfte.

Valuable Objects

Hinter der Aufgabenbezeichnung "Valuable Objects" verbirgt sich das Mithelfen im Wertsachenbüro. Dort kann man als Gast in Taizé seine Wertgegenstände (Ausweis, Pass, Führerschein, Geldbeträge, Schmuck, Musikabspielgeräte, Fotoapparate etc.) abgeben und einschließen lassen, damit man sie nicht die ganze Zeit mit sich herumschleppen muss. Zelte und Baracken sind ja ständig offen und daher nicht dafür geeignet, Dinge vor unbefugtem Zugriff sicher zu verwahren. Bei dieser Wochenaufgabe wird man von Permanents, also Jugendlichen, die längere Aufenthalte in Taizé verbringen, angeleitet. Das Wertsachenbüro ist ein kleines Zimmerchen in "La Morada" (näheres zu den Örtlichkeiten in Taizé kann man z. B. hier erfahren), in welchem "Valuable objects" zu bestimmten Öffnungszeiten zur Aufbewahrung entgegengenommen werden. Das Abgeben ist eine gründliche, komplex gestaltete Prozedur mit zwei Formularen, Eintragungen in einem Abgabe-Buch, Karteikarten, zahlreichen Unterschriften etc. Die Wertsachen werden in nummerierte, signierte und versiegelte Tüten gepackt und deponiert. Ich finde an dieser Aufgabe schön, dass man dabei mit vielen anderen Gästen in Kontakt kommt. Natürlich ist der gesamte Aufenthalt in Taizé ein ständiges Kennenlernen und Begegnen mit Tausenden von unterschiedlichen Leuten. Im Wertsachenbüro hat man aber Gelegenheit, sich kurze Zeit auf eine einzige Person zu konzentrieren. Die Umgangssprache ist dabei meist Englisch. Also bemüht man sich als nicht-englischer Muttersprachler, sich mit seinem Gegenüber, das etwas abgeben will, in dieser Fremdsprache zu verständigen. Dabei übergibt man dem Abgabewilligen also zwei Formulare, in welche er u. a. seinen Namen und eine detaillierte Beschreibung der Abgabegegenstände einträgt. Da der Prozentsatz der deutschen Gäste in Taízé immer recht hoch liegt, sind natürlich auch oft deutsche Gäste im Wertsachenbüro. Aber nicht selten erkennt man dann erst beim Lesen des Formulares am Namen, dass man sich die Mühe mit dem Englischen hätte sparen können, was dann oft auch erleichterte und fröhliche Reaktionen bei deutschsprechenden Abgabewilligen hervorruft.

Churchwork

im Inneren der VersöhnungskircheDas bedeutet

  • Liedzettel sortieren und für das jeweils nächste Gebet (davon gibt es ja drei am Tag) vorzubereiten. Dazu stehen im Keller riesige Regale mit großen Kartons, wo die einzelnen Psalmen und Lesungen in unmäßiger Stückzahl gelagert sind.
  • die Liederbücherstapel an den Kircheingängen zu ordnen (jeweils in Fünferstapeln, damit sie sich nicht zu sehr rundbiegen) und
  • beschädigte Bücher auszusortieren und zu reparieren,
  • die Tücher zu ordnen und zu falten, die für Kirchbesucher bereit liegen, welche sommers schulterfreie, kurze Kleidung tragen,
  • jeweils vor den Gebeten die Kerzen am Altar anzuzünden (eine Unmenge in aufeinander gestapelten Ziegelquadraten),
  • den Kirchenraum mit riesigen Staubsaugern zu reinigen (einer führt dabei den Schlauch mit der Düse, während ein zweiter den Rest der Maschine, die sogar zwei große Saugmotoren besitzt, schiebt und dabei das Kabel auf- bzw. abwickelt – je nach zurückzulegender Wegstrecke),
  • Wachsflecken aus dem Teppichboden zu „bügeln“,
  • Kaugummis abzukratzen,
  • die Mikrofonkabel der Brüder, die während der Gebete die Solopartien singen oder sprechen, in Schneckenform zu ordnen,
  • alte Kerzengläser zu putzen und mit neuen Kerzen zu füllen,
  • die Gebetsbänkchen ordentlich in eine Reihe zu stellen und
  • an den Seitenaltären meist im März und September die Buchsbaumzweige auszutauschen und frische Zweige fest zu tackern,
  • den Altarboden zu schrubben und von Wachs zu befreien

Ich glaube, ich habe jetzt alles aufgezählt. Natürlich muss keiner ganz allein alles machen. Meist "spezialisiert" man sich auf ein oder zwei Aufgaben. Außerdem beansprucht diese Arbeit nicht den gesamten Tag. Es gibt drei Schichten - vormittags, nachmittags und nach dem Abendgebet, von denen man sich eine einzige für die Woche aussucht. Außerdem bedeutet so eine "Schicht" auch nicht Arbeit pur, sondern man hilft eben gemeinschaftlich in einem kleinen Bereich mit, dass das Wochentreffen reibungslos ablaufen kann. Die Frères bemühen sich dabei immer sehr, die Gruppe der Helfer bei Laune zu halten - jeder hat da so seine eigene Strategie. Von Witzen über Knobelspiele bis zum Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte (abends natürlich) ist alles dabei! Ist die "Arbeitszeit" dann zu Ende, trinkt man gemeinsam Tee und isst Kekse. Bei der "Abendschicht" wird zuerst Tee getrunken und dann in der Sakristei im Keller allmählich mit den Aufgaben begonnen, während man durch die Mauern hindurch noch lange die singenden Leute beim Abendgebet quasi als Backgroundmusik hören kann.

Church-Work ist auf jeden Fall ein sehr vielfältiges Aufgabengebiet und gerade im Hochsommer herrschen in der Kirche noch die angenehmsten Temperaturen (im „Keller-Zettel-Archiv“ sowieso). Wie so oft in Taizé spürt man, dass alles nach einem feinen Plan gestaltet wurde bzw. eine feine Entwicklung genommen hat. Besonders liebenswert finde ich, dass sämtliche Geräte und Steckdosen in der Kirche Namen haben: So heißt der große Staubsauger „Confiance“ (Zuversicht), der kleine „Patience“ (Geduld), der Sprühsauger „Joie“ (Freude) und eine Steckdose z. B. „Paix“ (Frieden). 

Contact person

Jetzt geht es also um die Aufgabe "Contact Person": Contact-Persons (Gesprächsgruppenleiter) kümmern sich bei der Bibeleinführung darum, dass der Kontakt zwischen dem Frère, der die Bibeleinführung gibt, und den jeweiligen Kleingruppen erhalten bleibt, die sich im Anschluss zusammenfinden, um die angesprochenen Themen zu vertiefen. Diese Contact Persons tauschen sich vor jeder Bibeleinführungseinheit mit dem Frère über die Inhalte, über mögliche Probleme in der Gruppe u. ä. aus und sorgen während der Gruppenarbeit dafür, dass auch die (fremd-) sprachliche Verständigung funktioniert. In einer gutfunktionierenden Kleingruppe, wo sich von selbst eine lebendige Diskussion entwickelt, braucht die Contact Person kaum in Erscheinung zu treten.

Raking Leaves 

Diese Aufgabe wird im Frühjahr vergeben, wenn der Schnee geschmolzen ist. Dann wird der Familienbereich "Olinda" wieder für die erneute Nutzung im Sommer klargemacht. Um Zeit zu sparen und auch, weil oft viel Arbeitsgerät mitzuschleppen wäre, wird man per Kleinbus von einem "Permanent" an den Ort des Geschehens in das zu Fuß etwa 10 Minuten entfernte Ameugny gefahren und später wieder abgeholt. in "Olinda" wurden die zahlreichen Spielplätze während des Winters mit Zeltplanen bedeckt, um die Spielgeräte vor der Witterung zu schützen. Als Helfer hat man nun die Aufgabe, die Spielgeräte wieder freizulegen, die Planen zu säubern und zusammenzufalten sowie das angesammelte Laub und herabgefallene Äste zusammenzurechen und in Müllbeuteln zu sammeln.

Meal distribution

Mit Essenausgeben ist wohl jeder Wochengast mal an der Reihe. In Taizé gibt es nämlich viermal täglich etwas zu beißen: Frühstück, warmes Mittagessen, Tee mit Gebäck und warmes Abendessen. Das Essenausteilen ist mittags und abends auf acht bis zehn "Stationen" verteilt. Der Erste sammelt die Essensmarken ein, der Zweite gibt Tabletts aus, der Dritte die Plastikteller, der Vierte einen "flat spoon" voll von löffelbarem Essen, der Fünfte "two slices of" Weißbrot, der Sechste einen Keks oder ähnliches, der Siebte einen Joghurt oder ähnlich verpackten Kompott oder Frischkäse, der Achte verteilt Obst, der Neunte gibt die Plastiktrinkbecher aus und der Zehnte muss sehen, dass die Leute ihre Löffel bekommen. Viele verlassen die Schlange schon vor der Plastikbecherausgabe, da muss man schon fast mit den Löffeln nach ihnen schmeißen. Jeder bis auf den Essensmarkeneinsammler bekommt dazu einen Einwegplastikhandschuh oder zwei, je nach Bedarf. Jede einzelne Schlange wird von einem "Permanent" betreut, der die Aufgaben verteilt, für das Nachschubliefern zuständig ist und auch entscheidet, wann die Schlange geschlossen wird. Beim Frühstück und beim Nachmittagstee sind dann entsprechend weniger Leute beschäftigt. Die Essensausteiler bekommen zwar später ihre Mahlzeiten, nämlich erst, wenn alle anderen etwas haben, dafür hat diese Aufgabe andere Vorteile: Man tritt auf einfache Weise mit allen anderen Wochengästen in Kontakt, die einem in der Funktion als Essensausgeber sehr wohlwollend und "dankbar" gegenüber eingestellt sind. Außerdem kann man in vielen Sprachen lernen, was "Guten Appetit!" bedeutet - bspw.

  • "enjoy your meal!"
  • "buon appetito!"
  • "smacznego!"
  • "¡que aproveche!"
  • "afiyet olsun!"
  • "bon appétit!"
  • "poftă bună!"
  • "[mani zabtuseyo]!" u.v.a.m.

Und wie immer wird man von hochmotivierten "Permanents" angeleitet, die sich alles Mögliche überlegen, um einem bei der Arbeit Kurzweil zu verschaffen - z. B. "Schlacht"-rufe bzw. -gesänge...  

Washing up

Die Abwäscher bekommen eine Plastikschürze und als erstes zu essen, um möglichst früh mit dem Geschirrspülen beginnen zu können. Abgewaschen wird im Sommer in riesigen Metallbottichen, die mit von der Decke herabhängenden Gartenschläuchen mit Wasser gefüllt werden. Außerdem landet im Spülwasser noch eine ganz beträchtliche Anzahl von Chlortabletten, so dass auch ja alles keimfrei ist und man nach dem Abwasch total nach Schwimmbad riecht (ebenso auch das Geschirr). Bei hochsommerlichen Temperaturen artet das Abwaschen dann meist irgendwann in Wasserschlachten aus. Im Winter wird in Baracke 10 bzw. in der Küche in El-Abiodh abgewaschen, wo es dann auch gesitteter zugeht. 

Point 5

BesenHinter dieser Bezeichnung verbergen sich sämtliche Reinigungsaufgaben: Toilettenputzen, Baracken säubern, Fensterputzen etc. Auch solche Arbeiten gehören natürlich dazu. In einem guten Team ist die Aufgabe aber schnell erledigt, und wie vorhin schon bemerkt, gehen in Taizé auch Arbeiten locker von der Hand, welche man zuhause vielleicht nur ungern erledigt. Gerade an "Point 5" trifft man die motivierendsten und mitreißendsten Permanents, die mit den Wochenhelfern zusammenarbeiten und dabei dafür sorgen, dass auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. (Warum sind die Frauentoiletten eigentlich immer sauberer als die Herrentoiletten?) 

Gebete und Lieder


GlockenturmDas Wichtigste kommt natürlich zum Schluss: Das sind die Gebete in der Kirche. Zwar gibt es keine Liturgie-Form namens Taizé-Gebet, dennoch weiß so manch einer etwas mit dieser Bezeichnung anzufangen. Überall auf der ganzen Welt gibt es solche Gebete "im Stil von Taizé". Diese Gebete bestehen aus einfachen Elementen: meditativen Liedern in vielen Sprachen, einem Psalm, einer Bibellesung, Fürbitten oder Lobpreis, dem Vater-unser und einer Zeit der Stille, in der jeder für sich beten und über Gottes Wort nachdenken kann. Die Gebete folgen keiner "komplizierten" Liturgie und sollen auch keineswegs eine neue Liturgieform darstellen. Denn das größte Ziel Frère Rogers und seiner Mitbrüder ist die Einheit und Versöhnung der Christen verschiedener Konfession.

BibelDreimal am Tag wird man in Taizé von den Glocken zum Gebet gerufen. Charakteristisch ist, dass alle beim Gebet auf dem Boden sitzen (oder auf kleinen Holzbänkchen) und dass der Kirchenraum durch brennende Kerzen, orangefarbene Stoffbahnen und  Ikonen geschmückt ist. Die ständige Wiederholung der ruhigen Lieder erzeugt eine wunderbar meditative und besinnliche Stimmung.

Dem Freitagabendgebet schließt sich eine Anbetung vor dem Kreuz an; das Samstagabendgebet ist als Auferstehungsfeier, als "Nacht der Lichter" gestaltet, wo jeder eine kleine Kerze bekommt, die im Lauf des Gottesdienstes entzündet wird; der Sonntagsgottesdienst folgt der römisch-katholischen Liturgie. Wer möchte, kann auch werktags noch vor dem Morgengebet die Eucharistiefeier besuchen. Je nachdem, welche Priester und Gruppen gerade vor Ort sind, wird neben der katholischen Messe in einem anderen Teil der Versöhnungskirche oder in der romanischen Dorfkirche ein protestantisches Abendmahl oder anderskonfessionell Gottesdienst gefeiert.

Ein Vers aus der täglich zum Mittagsgebet verlesenen  Bibelstelle findet sich auf der Seite der Communauté, ebenso ein  Tagesimpuls von Frère Roger. Aufgrund seines Alters nahm Frère Roger nicht mehr an den Morgengebeten teil, seinen mehrsprachigen Segen am Ende der übrigen Gebetszeiten erteilte er beim Mittagsgebet nur in einer Sprache, worauf einige andere Frères den Segen in weiteren Sprachen erteilten und nur abends sprach er den Segen ganz alleine in vielen Sprachen. Beim Auszug der Brüder wurde er meist von vielen kleinen Kindern begleitet, welche z. B. bei der Kommunionausteilung brennende Kerzen halten oder bei der "Nacht der Lichter" für die Ausbreitung des Kerzenlichts sorgen.

(Übrigens wird jede "Nacht der Lichter"-Feier samstags von  Domradio-Kölnübertragen, und zwar in der Zeit von 22-23 Uhr!  Radio-Horeb strahlt diesselbe Übertragung zur gleichen Zeit aus und wiederholt sie nochmal montags in aller Frühe von 4-4:50 Uhr.) Im Anschluss an das samstägliche Abendgebet ließen sich immer einige Leute von Frère Roger segnen. Die Lieder werden noch lange nach dem Auszug der Brüder weiter gesungen, und einzelne Frères stehen nach dem Abendgebet noch für persönliche Gespräche im Kirchenraum zur Verfügung. Auch einige Priester, erkennbar an der  Stola, sind nach den Abendgebeten für Gespräche oder für eine Beichtgelegenheit bereit.

 

Mittlerweile gibt es an verschiedensten Orten in der Welt Gebete im Stil von Taizé. Die nächste Möglichkeit, eine "Nacht der Lichter" bei uns in Chemnitz zu erleben, wäre jedes Jahr am dritten (manchmal auch zweiten) Novembersamstag. (Der jeweilige Termin ist hier in der Rubrik "Termine" zu finden.)

Näheres zu den Taizé-Liedern lässt sich z. B. hier nachlesen:

Vielleicht mag es verwundern, warum Ikonen ein so fester Bestandteil der Taizé-Gebete sind. Darauf antwortete Frère Maxime einmal, er säbe dafür zwei Gründe: Der erste Grund sei "Reconciliation", die Versöhnung zwischen den vielen verschiedenen christlichen Konfessionen, welche man u. a. durch Einbeziehen von Elementen aus unterschiedlichen christlichen Kirchen (hier der Orthodoxie) zumindest in Taizé unterstützen möchte, und der zweite Grund der, weil die Ikonen aus einer Zeit stammten, in welcher die Kirche noch eine Einheit bildete. Die Einheit der Kirche ist ein großes Ziel, für das nicht nur in Taizé gebetet wird. Weitere Informationen zur "Kunst" in Taizé finden sich hier:

Anreisemöglichkeiten

Viele Wege führen auch nach Taizé. Dazu findet sich hier Näheres:

Fazit - Warum also fährt man nach Taizé? 

Man bekommt dort eine wunderbare Gelegenheit, in seinem Seelen-Haushalt aufzuräumen, kann seinen Glauben vertiefen, (wieder-)finden, reifen, man erlebt eine fabelhafte Gemeinschaft mit Leuten aus der ganzen Welt, findet Freundschaften, bekommt Feedback und Anregungen jeglicher Art, kann zur Ruhe kommen, seine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen, sich selbst ein bisschen besser kennenlernen und vieles andere mehr und für jeden einzelnen anders... Um das für sich herauszufinden, muss man Taizé am besten einmal selbst erleben.