Bericht von der Taizéfahrt 2008 der Deka-Jugend Chemnitz

Ein "packendes Gemeinschaftsgefühl", "internationales Flair" und einfach "eine gute Stimmung" – so wurde mir von Taizé erzählt. Darunter kann man sich allerdings nicht viel vorstellen. Vielleicht ist es dort wie bei einem Weltjugendtag, nur dass es das ganze Jahr über ist? So richtig konnte, vielleicht sogar wollte mir das keiner erklären.

Also meldete ich mich mit gemischten Gefühlen bei der Dekafahrt vom 09. – 17. 08. 08 nach Taizé an. Als es dann los ging, hatte mir immer noch niemand so richtig von diesem kleinen Städtchen und seinem außergewöhnlichen Bewohnern erzählen können. Ich hatte während der 13stündigen Busfahrt allerdings auch genügend Zeit, mir über meine Erwartungen und Vorstellungen klar zu werden. Aber im Endeffekt hatte ich mir natürlich doch alles anders vorgestellt. Wir kamen in Taizé an während alle anderen gerade dem Abendgebet beiwohnten, bei welchem am Samstag auch das Osterlicht in der ganzen Kirche verbreitet wird. In diesem Augenblick betrat ich die Kirche – es hätte keinen schöneren Empfang geben können. Die Kirche leuchtete im Kerzenschein der vielen Tausend Lichter, alle sangen und lobten Gott. Nach diesem außerordentlich schönen Willkommen bekamen wir glücklicherweise noch etwas zu Essen und mussten uns dann im Finstern noch einen geeigneten Platz für unsere Zelte bzw. unser Bett in der Baracke suchen. 

Am nächsten Tag, Sonntag, ging es zum Glück noch nicht mit dem vollen Programm los, da die meisten an diesem Tag ab- oder anreisen. So konnten wir uns noch von der langen Fahrt erholen und langsam mit Herz und Seele in Taizé ankommen. Dafür waren dann die sechs folgenden Tage durchgeplant mit Gebets- und Essenszeiten, Bibeleinführung, Workshops und Arbeiten. Ein Tagesablauf der glücklicherweise auch ein paar Lücken ließ, in denen wir zur Quelle St. Etienne oder in das benachbarte Cluny gehen konnten.

Ich hatte vor meiner Reise von den vielen Gebeten gehört, mindestens 3mal täglich. Wie sollte man das nur aushalten? Irgendwie war man da doch nur in der Kirche. Doch es kam anders als gedacht. Durch die einladende, freundliche Gestaltung des Gotteshauses fühlte ich mich sofort geborgen und heimisch. Teilweise war ich traurig, dass nach dem Mittagsgebet gleich das Essen kam und ich mich anstellen musste, um noch etwas zu bekommen. Nach dem Abendgebet konnte man noch mehrere Stunden in der Kirche verbringen, ob sitzend, kniend oder liegend und die einprägsamen Taizégesänge singen. Wer die Nacht nicht in der Kirche verbringen wollte, fand sich unweigerlich irgendwann im sogenannten "Oyak" wieder. Ein Treffpunkt zum Reden, Singen und Spielen mit anderen Nationen. Wer dort allerdings zu lang gefeiert hatte, kam meist früh verschlafen in die Gesprächsgruppen, in denen man sich nach der Bibeleinführung durch einen Frater über das gehörte unterhält und darüber diskutiert. Diese kleineren Gruppen bestanden aus Jugendlichen unterschiedlichster Nationen. So bekam man auch verschiedenste Eindrücke von ihnen, Erfahrungen wurden ausgetauscht, die manchmal unterschiedlicher nicht sein konnten.

Nachmittags war für die meisten praktische Arbeitangesagt. Man konnte sich vorweg entscheiden, ob man z.B. im Chor singen oder doch lieber das Gelände reinigen möchte. Auch wenn man manchmal recht unangenehme Aufgaben erledigen musste, lernte man auch hier wieder viele Menschen kennen, die von sich erzählten oder auch gern zuhörten.

Insgesamt war diese Fahrt auf jeden Fall eine Bereicherung für mein Leben und ich kann jedem nur empfehlen, mindestens einmal in seinem Leben nach Taizé zu fahren, um dieses "internationale Flair" mitzuerleben und in dieser ganz besonderen Kirche vielleicht ein kleines bisschen Veränderung in sich selbst festzustellen. 

Sara Finke, Chemnitz

  

Weitere Fotos sind in der Bildergalerie und in Kürze auf der Taizé-Seite der Dekanatsjugend zu finden.